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Warum dauert das so lange?

Warum dauert das so lange?

Ich bekomme immer wieder Anfragen für personalisierte Geschenke. Oder auch mal ausgefallene Wünsche, Aufträge, die ich gerne versuche zu verwirklichen. Doch manchmal soll es schnell, spontan sein. Da muss ich die Kunden oft etwas erstaunt zurück lassen. Keramik braucht seine Zeit. Also: bringt Zeit mit. :) In der Regel 6-8 Wochen, je nach Auftragsgröße. Soll es ein Weihnachtsgeschenk werden? Dann am besten bereits im Oktober anfragen. Ich erkläre auch gerne warum.

Mein Ofen fasst mittlerweile eine Volumen von 140l. Aus ökologischen und natürlich auch aus wirtschaftlichen Gründen wird hier der Brennofen erst angeschmissen wenn genug Ware produziert worden ist. Da können schon mal bei einem Schrühbrand locker 200 Teile und mehr sein. Der Brennofen läuft mit Starkstrom - desto weniger Teile im Ofen, desto teuer wird der Brand und schlussendlich auch die Keramik. Aus diesem Grund muss ich auch den aktuellen Stand mit berücksichtigen.

Neben der Herstellung (in Handaufbau oder an der Drehscheibe) hat der Ton eine Trockenzeit von bis zu 3 Wochen (je nach Jahreszeit und Wetter). Erst wenn der Ton komplett durchgetrocknet ist, kann er in den Ofen. Nasser Ton kann reißen, Lufteinschlüsse können explodieren und den Ofen sowie die Heizspiralen beschädigen. Um das zu vermeiden lasse ich die Stücke lange ruhen. Der erste Brand (genannt Schrühbrand) erfolgt bei 920 Grad. Um diese Temperatur zu erreichen, braucht der Ofen mehrere Stunden und fast doppelt so lang zum abkühlen.

Nach dem Schrühbrand wird die Ware geschliffen und gewaschen. Nur staubfreie Ware kann die Glasur problemlos aufnehmen.

Sobald die Stücke wieder durchgetrocknet sind, werden sie glasiert. Glasuren können unterschiedlich aufgetragen werden. Mal werden sie in großen Eimern getaucht, oder aber mit Pinsel in mehreren Schichten aufgetragen. Keramik, die für den Gebrauch von Lebensmittel gedacht ist, darf nur mit lebensmittelgeeigneten Glasuren glasiert werden. In Deutschland müssen diese vor dem Verkauf in einem Labor getestet werden. Wenn Keramik und Glasur einwandfrei sind, erhält man für diese Glasur eine Konfirmitätserklärung und darf diese somit in den Verkauf geben.

Nach dem glasieren kommen die Stücke ein zweites Mal in den Ofen, in den sogenannten Glasurbrand. Hier unterscheidet sich der 2. Brand in zwei Dingen zum 1. Brand:


Die Keramikstücke dürfen sich nicht berühren. Während im Schrühbrand alles ineinander gestapelt werden konnte, dürfen sich die Stücke im Glasurbrand nicht berühren. Die Glasur schmilzt aus, so dass die Stücke aneinander kleben bleiben würden und somit unbrauchbar. Der Glasurbrand erreicht 1230 Grad. Die meisten Tonsorten haben einen Sinterpunkt bei ca. 1200 Grad. An diesem Punkt wird der Ton erst dicht und nimmt somit kein Wasser mehr auf. Also muss der Glasurbrand über dem Sinterpunkt liegen. Meine Stücke werden bei 1230 Grad gebrannt und sind hinterher Spülmaschien- und Mikrowellengeeignet.

Der Ofen wird meist zwischen 59 und 70 Grad geöffnet - das schont vor allem die Heizspirallen und den Ofen. Nach dem erreichen der Höchsttemperatur von 1230 Grad braucht der Ofen mindestens 24 Stunden zum abkühlen. Ich plane für beide Brände mit Abkühlzeit ca. 5 Tage ein.

Nach dem Glasurbrand werden die fertigen Stücke nach Brüchen, Rissen, Glasurverläufen oder spitzen Kanten untersucht und falls nötig nochmal glattgeschliffen.

Ich hab viele kleine Schritte ausgelassen, wollte es nicht unnötig verkomplizieren. Und jede Keramikerin und jeder Keramiker hat seinen eigenen Ablauf, Tempo, Herangehensweise und wir alle kommen auf unsere Art zum Ziel. Ich hoffe, ich konnte so die Produktionszeit etwas näher erklären und gratuliere jedem der es bis hier hin geschafft hat. :)


Sonnige Grüße, eure Helena. 25. Mai. 2025

(Nächstes Thema: warum gibst du so wenige Kurse und wo sind die Kinderkurse? Wir wollen Kinderkurse!)

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